Abbruch eines Mehrfamilienhauses in Berlin – ein Blick hinter die Kulissen
Der Abbruch eines Mehrfamilienhauses ist kein alltäglicher Job. Für viele Eigentümer ist es ein einmaliges Ereignis – für uns tägliche Realität, aber jedes Mal ein neues Projekt mit eigenen Herausforderungen.
Wie läuft so ein Abbruch tatsächlich ab? Was passiert zwischen der ersten Besichtigung und der geräumten Baufläche? Und warum steckt hinter dem „Baggern und Wegmachen“ so viel Planung, Erfahrung und Präzision?
In diesem Beitrag nehmen wir Sie mit hinter die Kulissen eines echten Abbruchprojekts in Berlin.
Inhaltsverzeichnis
Das Projekt: Ein Mehrfamilienhaus in Berlin-Pankow
Das Objekt befand sich auf einem Grundstück in Berlin-Pankow, einer ruhigen Seitenstraße mit dichter Bebauung. Das Gebäude: ein dreigeschossiges Mehrfamilienhaus aus den 1960er-Jahren, teilweise unterkellert, mit Mauerwerkswänden und Holzbalkendecken. Die Herausforderung: enger Zugang, Nachbarbebauung in direkter Grenznähe und alte Schadstoffe in den Bodenbelägen und Putzschichten.
Bevor der erste Bagger anrückte, stand ein klarer Ablaufplan fest – jeder Schritt genau dokumentiert und abgestimmt mit Bauherr, Nachbarn und Entsorgungsfirmen.
Vorbereitung und Planung – der wichtigste Teil des Abbruchs
Viele denken beim Abbruch zuerst an große Maschinen. Tatsächlich ist die Planungsphase oft der entscheidende Teil des gesamten Projekts.
- Baupläne prüfen
- Statik und Material analysieren
- mögliche Schadstoffe identifizieren
- Anfahrtswege, Lagerflächen und Containerstellplätze festlegen
Danach folgte die Abstimmung mit den Behörden. In Berlin ist der Abbruch eines Mehrfamilienhauses genehmigungspflichtig, also wurde eine Abbruchanzeige nach § 62 BauO Bln eingereicht.
Parallel erstellten wir das Sicherheits- und Entsorgungskonzept, in dem genau festgelegt wurde, welche Materialien wie getrennt, transportiert und verwertet werden.
Schadstoffprüfung und Sicherheit auf der Baustelle
Vor dem Rückbau stand die Schadstofferkundung. In alten Gebäuden steckt häufig Asbest in Bodenbelägen, KMF in Dämmungen oder PAK in Teerpappen. Ein unabhängiges Labor entnahm Proben – mit eindeutigem Ergebnis: Asbesthaltige Bodenbeläge in mehreren Wohnungen und teerhaltige Dachpappe.
Erst nach der fachgerechten Sanierung nach TRGS 519 und TRGS 521 durften die eigentlichen Abbrucharbeiten beginnen. Während der gesamten Maßnahme galt:
- abgesperrter Arbeitsbereich
- Unterdruckhaltung in betroffenen Räumen
- Schutzkleidung und Atemschutz für das Personal
Diese Sicherheitsmaßnahmen sind nicht nur Vorschrift, sondern entscheidend, um Mensch und Umwelt zu schützen.
Maschineller Rückbau – Schritt für Schritt
Der eigentliche Abbruch erfolgte mit einem 30-Tonnen-Kettenbagger und einer Hydraulikzange. In engen Wohngebieten ist präzises Arbeiten entscheidend – kein wildes Reißen, sondern kontrolliertes Trennen.
- Entkernung: Ausbau von Türen, Fenstern, Installationen und nichttragenden Wänden.
- Rückbau von oben nach unten: Decken, Dachstuhl, Wände.
- Sortierung: Holz, Ziegel, Beton, Metall – getrennt für Recycling.
- Abtransport und Zwischenlagerung.
Parallel wurde der Verkehr abgesichert, und eine Bewässerungsanlage sorgte für staubarmes Arbeiten – ein wichtiger Punkt in dicht besiedelten Stadtteilen.
Entsorgung, Recycling und Nachhaltigkeit
Beim Abbruch fallen in kurzer Zeit mehrere Hundert Tonnen Material an. Doch längst landet nicht mehr alles auf der Deponie. Etwa 80 Prozent der Stoffe konnten recycelt werden – vor allem Ziegel, Beton und Metall.
Die Materialien wurden direkt auf der Baustelle vorsortiert und anschließend zu zugelassenen Recyclinghöfen in Berlin-Brandenburg transportiert. Aus dem zerkleinerten Beton entsteht sogenanntes RC-Material (Recycling-Baustoff), das wieder im Straßenbau oder bei Erdarbeiten eingesetzt wird.
So entsteht aus Abfall ein neuer Rohstoff – ein echter Kreislauf.
Fazit: Warum Erfahrung und Sorgfalt den Unterschied machen
Der Abbruch eines Mehrfamilienhauses ist kein reines Maschinenprojekt. Er erfordert präzise Planung, technische Erfahrung und ein eingespieltes Team. Vom Schadstoffgutachten über die Entkernung bis hin zum letzten Schaufellöffel – jedes Detail entscheidet darüber, ob das Projekt sicher, sauber und wirtschaftlich verläuft.
Heute ist die Fläche in Berlin-Pankow bereit für einen modernen Neubau – und wir sind stolz, dazu beigetragen zu haben, dass Altes Platz für Neues gemacht hat.
Über den Author
Michael Krüger
Seit über 15 Jahren im Bereich Abbruch und Erdbau tätig.
Spezialisiert auf maschinellen Abbruch, Schadstoffsanierungen und Entsorgungslogistik in Berlin und Brandenburg.